Sunday, December 18, 2005

Meister im Protestieren

Protestieren. Darin sind die Umweltorganisationen Meister. Am Samstag mobilisierten sie wieder Tausende. Diese zogen mit Trommeln und Transparenten friedlich durch die weiten Strassen Montreals. Die Botschaft ist seit Jahren die gleiche: Die Welt darf nicht wärmer werden. Erst zwei Stunden lang Protest, dann ein Happening vor grosser Bühne. Ein Einpeitscher macht die Demonstranten nochmals heiss. Es ist minus vier Grad Celsius und ein Beissender Wind bläst. Reden, Musik, Schluss. Das Zeichen ist gesetzt. Ein Auftritt in den Medien. Voilà. Schön, dass nach wie vor Tausende für den Klimaschutz auf die Strasse gehen.

Politiker sind allerdings immun gegen solche Massenveranstaltungen, lassen sich nicht und haben sich noch nie beeindrucken lassen, geschweige denn blicken lassen. Protestnoten gehören zu jeder Klimakonferenz, sind Tradition geworden. Auch wenn sie an Spektakel verloren haben: Am Klimagipfel in Den Haag, als es in die Schlussphase der Verhandlungen um das Kyoto-Protokoll ging, bauten die Umweltaktivisten - generalstabsmässig organisiert - einen hunderte Meter langen Damm aus Sandsäcken vom Kongressgebäude bis zur Küste. Man kann nicht genügend Signale senden, und das Feuer dafür darf nie erlöschen.

Weniger effektvoll, dafür substanzieller sind die Aktionen der Umweltorganisationen an der Klimakonferenz selbst. Die Verleihung des „Fossils des Tages“ – stets mit harten Argumenten begründet - interessiert selbst Männer im dunklen Anzug. Am meisten „Awards“ erhielten wohl bisher die USA und Saudiarabien – für ihre destruktive Haltung.

Das ist nicht einmal eine Wertung, das ist Tatsache. Und die Männer im dunklen Anzug würden dazu nicken, würde es Anstand und Respekt nicht verbieten. Und sie würden inzwischen auch das neuste Souvenir der Klimakonferenz an die Brust heften: ein Konterfei von George W. Bush - „Only 1148 Days Left“.